Ironman 70.3 Wiesbaden- Das Rennen
// August 15th, 2008 // Allgemein
Hallo Lulus!!
Hat etwas gedauert, aber hier endlich der Bericht aus Athletensicht vom Ironman 70.3 Wiesbaden.
Um 5:15 Uhr klingelt der Wecker, um 5:30 sitz ich unten im Hotel am Frühstückbuffet. Übrigens wunderbar unterstützt von Paco, der ein Auge darauf hat, dass ich auch ja genug zu mir nehme. Frühstück besteht ganz normal aus 4 Brötchen mit Philadelphia und Aprikosenmarmelade, dazu eine Tasse Kaffee und 2 Gläser Mineralwasser (Paco das gleiche, jedoch nur halb sovielJ).
Danach Abmarsch zum Shuttlebus, der uns zum Schwimmstart am Schiersteiner Hafen bringt. Spätestens dort steigt gewaltig die Anspannung. Mit bereits leicht zitternden Knien noch mal rein in T1 um letzte Details am Rad vorzunehmen. In meinem Fall: Reifen aufpumpen und Trinkflaschen sowie Energieriegel am Rad verstauen. Danach wieder raus aus T1 und rein in die unmittelbare Wettkampfvorbereitung. Bedeutet: Aufwärmen so gut es geht. Armkreisen, Rumpfkreisen, leichtes Dehnen etc….alles mehr oder weniger in Trance. Viel redest du kurz vorm Start nicht mehr, da bist du komplett in deiner eigenen Welt. Kleines Beispiel für den Tunnelblick, den du da entwickelst: Ich mach mich auf den Weg zum Vorstartbereich. Sehe links von mir 7-8 Dixie-Klos. Die knapp 20 Mann starke Schlange davor jedoch nicht! Ihr könnt Euch vorstellen, was los ist, als ich Gedanken versunken einfach ins erste Dixi „einmarschiere“!! Der junge Mann auf dem Thron starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an und reisst sofort die Tür wieder zu während die 20 Mann starke Warteschlange lauthals darauf hinweisst, ich möge mich doch bitte wie alle anderen in die Schlange einordnen. Hab ich dann auch gemachtJ Danach Badekappe auf, Brille vor die Augen und rein ins Wasser.
Neo fluten, 10min Einschwimmen und vor zur Startlinie. Interessant, was dir da alles durch den Kopf geht. Eigentlich läuft noch mal die gesamte knapp 12 monatige Vorbereitung an dir vorbei. Dann Schuss und los geht’s. Geh eher verhalten an, finde sehr schnell einen guten Rhythmus und hab fast keine Feindberührung. Orientierung ist dank der im 100m Abstand aufgestellten Bojen kaum problematisch und ich kann mich aufs Wesentliche konzentrieren. Also konstant 2er Armzug und ausatmen nach rechts. Einzig die direkt von vorn einfallende Sonne stört ein ganz klein wenig. An der Wendeboje riskier ich einen Blick auf die Uhr und schau mich nach hinten um. Stelle fest, dass ich ganz gut im Mittelfeld schwimm und für die ersten 900m gerade mal 17min benötigt hab!! Sensationelle Zeit. Wenn nichts Gravierendes mehr passiert sollte ich nach ca. 38min an Land gehen können. Geplant waren 45min! Tatsächlich zieht man mich nach 37min aus dem Wasser! Rampe hochlaufen, Neo runterziehen und ab Richtung Rad. Der Wechsel klappt reibungslos nach 4:30min sitz ich auf dem Rad. Erstmal gut verpflegen, viel trinken und Rhythmus finden. Leider fühlen sich die Beine von Beginn an etwas eigenartig an. Habe das Gefühl, dass beide Oberschenkel kurz vorm Krampfen sind. Erklärung hierfür find ich keine. Erstens mach ich noch gar keinen Druck, zweitens ist der Wettkampf erst knapp 45min „alt“, ich kann also noch gar nicht erschöpft sein. Also kleine Gänge mit hoher Frequenz treten um die Muskulatur etwas aufzuwärmen und weiterhin viel trinken. Viel besser wird’s aber den gesamten Radsplit über nicht. Ich nehm an, es war einfach die sehr frische und nasskalte Witterung. An der ersten Zwischenzeitnahme bei Radkilometer 30 steht exakt 1 Stunde Fahrzeit auf meiner Uhr. Läuft also eigentlich total nach Plan, fühlt sich nur nicht ganz so anJ Nächster Check bei km 60. Knapp über 2 Stunden. Immer noch perfekt im Marschplan. In Anbetracht der Tatsache, dass zwischenzeitlich Regen die Sache besonders bei den Abfahrten erschwert (man kann einfach nicht mehr soviel Risiko nehmenJ) und es saukalt ist, wirklich ein verdammt gutes Rennen bis dato. Irgendwann gehen mir aber die Berge gewaltig auf die Nerven, flache Abschnitte gibt’s eigentlich so gut wie gar nicht. Langsam muss ich kämpfen und mich zum Ende der Radtrecke immer mehr quälen. Bei Kilometer 80, man ist in Gedanken schon fast beim Laufen, stehst du plötzlich vor einer zwar nur 500m langen aber extrem steilen Wand. Ich wusste, dass die kommt, schliesslich hab ich bei der Wettkampfbesprechung gut zugehört, aber als sich das Ding plötzlich vor mir auftürmt fährt mir doch ein Schock durch die Glieder. Wie soll ich da nur halbwegs anständig raufkommen? Weiter oben seh ich zwar massenweise Zuschauer die richtig Krach machen, allerdings auch zwei Sportler, die zu Fuss das Rad schiebend die Rampe erklimmen! Dank der Zuschauer bin ich aber irgendwann doch noch oben angekommen. Die lange schnelle Abfahrt auf bestem Straßenbelag bis downtown Wiesbaden hat dann aber gut entschädigtJ
Dann geht plötzlich alles sehr schnell: Gerade noch gute 3Stunden mutterseelenallein unterwegs geht’s um eine schnelle Rechtskurve und ich steh schon fast in T2!! Bremsen was geht, gerade noch so aus den Radschuhen schlüpfen und schon steht ein Helfer vor mir der mir das Rad abnimmt. Barfuss und etwas ungelenk watschel ich ins Umkleidezelt. Eine Helferin kommt mir schon mit meinem Wechselbeutel entgegen und weißt mir ein freies Plätzchen auf der Sitzbank zu. Ich schüttel die Schuhe aus dem Beutel, zieh mir die Kappe auf und sie bereitet schon mal meine Socken vor, damit ich problemlos reinschlüpfen kann!! Super Service, ich glaub, sie hätte mir sogar die Schuhe gebunden wenn hätte sein müssen! Nach 2:22min raus aus T2 und rein ins Dixiklo!! Danach zunächst mit etwas schwerem Schritt rein in den Halbmarathon. Während ich noch so meine Beine und Muskeln sortiere hör ich links der Strecke einen ohrenbetäubenden Lärm. Ich guck rüber und seh: Meine Freundin Ivy und die komplett angereiste Lulu-Crew samt Riesenplakat mit meinem Namen drauf! Was du in dem Moment fühlst bzw. was dir da durch den Kopf geht kann man schlecht beschreiben. Muss man einfach mal selbst erleben. Es puscht jedenfalls so was von unglaublich stark…..Vielen vielen Dank dafür! Die sauschnellen 4:33min für den ersten Laufkilometer sind einzig und allein Euer Verdienst!! Danach krieg ich etwas Bammel. Auf dem Rad hab ich meine geplanten Kilometerzeiten nämlich nach oben korrigiert. Wegen der „schlechten“ weil kalten Beine wollt ich mit 5:10min statt 5:00 min angehen. Jetzt war der erste Kilometer aber mit 4:33 extrem flott und der zweite trotz gezogener Handbremse exakt 5:00. Der dritte mit 5:05 immer noch „zu schnell“ aber ich entscheide mich dagegen weiter Tempo zu drosseln und lauf mutig im 5:00min/km Tempo weiter. Interessanterweise sind die Zeiten für die Streckenabschnitte, an denen ich an Euch vorbeikomme ca.15 Sekunden(!!!) schneller als die anderen. Da kann ich mir dann auch ein richtig tiefes Tief bei Kilometer 15, 16 und 17 leisten wo ich mit Ach und Krach jeweils eine 5:15min halten kann. Nach Kilometer 18 merk ich, dass ich noch Körner zum verschiessen übrig habJ Die letzten 3km drück ich deshalb voll aufs Gas und geb alles was noch drin ist. Schliesslich will Bertel mich kämpfen sehen! Also km 19 in 4:35min in, km 20 in 4:37min und die finalen 1,1km in unglaublichen 4:17min!! Auf den letzten 20 Metern hab ich mich dann voll aufs Finish konzentriert. Für diesen kurzen Moment musst du dir einfach etwas Zeit lassen. Diesen Moment gilt es zu geniessen weil in dem Augenblick die ganze Anspannung von dir abfällt und ein ganzes Jahr Vorbereitungszeit mit dem Finish des Wettkampfs erfolgreich zu Ende geht! Allein für den mini kurzen Augenblick auf der Finishline lohnt sich die ganze Arbeit. Es ist echt schwer zu erklären, deshalb lass ich es auch bleibenJ
Da ich weiss, dass insbesondere Bertel sich für etwas Statistik interessiert, hier die Daten aus meinem Pulscomputer:
Schwimmen: 37:02min bei Durchschnittspuls 164 (=87%), Maximal 186 (=99%)
Radfahren: 3:07 Stunden bei Durchschnittspuls 157 (= 84%), Maximal 184 (=98%)
Laufen : 1:46 Stunden bei Durchschnittspuls 168 (=89%), Maximal 188 (=100%)
Insgesamt 4801 Kalorien verbrannt. Und jeweils ca. 5 Riegel und Gels verdrückt. Getrunken hab ich ca 5 Liter würd ich sagen. Durchschnitts,- und Maximalspeed auf dem Rad kann ich leider nicht sagen weil ich ohne Tacho fahr. Achja, der Gewichtsverlust: Auf der Waage hab ich einen Schreck bekommen: Knapp 4kg verloren – das packst du sonst nur in einer Woche mit Novovirus:-)
Zum Schluss noch mal Tausend Dank an die komplette Crew für die Unterstützung. Ich weiss das sehr zu schätzen! Die ganze Action mit dem Riesenplakat, die Organisation und letztlich das mehr als frühe Aufstehen…..Hut ab!!
Sieht man Euch nun eigentlich beim Staffeltriathlon in Schifferstadt??!! Frank wär verdammt gerne am Start hat er mir gestanden! Bis dahin verabschied ich mich jetzt erstmal in den Urlaub…..viel mach ich da nicht hab ich Ivy versprochen. Vielleicht ein klein wenig schwimmen……..etwas radfahren………und evtl bisl laufen:-)
Bis dann, Pedro
Servus Pedro!
Muß jetzt mal in aller Form den Hut vor dir ziehen!Du bist echt mein persönlicher sportlicher “Hero”!Das was du da in Wiesbaden abgezogen hast,war absolute spitze!Dann so Daten wie 4800 Kalorien verbraucht.Das haben wir in Österreich fast bei einem Abendessen zu uns genommen!;-)
Aber warum war dein D-Puls beim Rad so niedrig?(157)
Aber jetzt erhol dich erst mal im Urlaub!Wo bist du denn?
Viele Grüße
Bertel